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Der Übergang von der Promotions- in die Postdoc-Phase

Krisen und kritische Ereignisse treten mit größerer Wahrscheinlichkeit zu bestimmten Zeitpunkten auf. Sie entstehen häufig beim Übergang zwischen zwei Phasen.

Als Beispiele aus dem familiären Lebenszyklus wären hier z. B. Heirat, Geburt eines Kindes, Einschulung, der Tod eines Elternteils, Arbeitslosigkeit oder die Pensionierung zu nennen (Neumann 2015, S. 56ff.). Im akademischen Kontext ist es z. B. der Übergang in die Hochschule oder der Übergang vom Studium in den Beruf (Krawietz et al. 2013; Driesen/Ittel 2019).

Der Übergang von der Promotions- in die Postdoc-Phase ist als Übergangsphase noch weitgehend unerforscht und daher besonders interessant für eine genauere Betrachtung.

Dabei sind nicht nur die transitorischen Übergänge (Welzer 1993) zu Beginn und am Ende der Phase von Bedeutung, sondern jedes (kritische) Ereignis oder jede Bündelung von gleichzeitig auftretenden Ereignissen können an Relevanz in den Qualifizierungsphasen gewinnen (Korff 2020, Korff/Truschkat 2022).

Literaturtipp: Korff, S. & Truschkat, I. (2022): Übergänge in Wissenschaftskarrieren. Ereignisse – Prozesse – Strategien. Wiesbaden: Springer VS.

Übergänge im akademischen Kontext sind eng gekoppelt an den Erwerb von Bildungszertifikaten und beruflichen Karrierestationen und werden in (hochgradig symbolisch aufgeladenen) akademischen Ritualen zelebriert (Krawietz/Raithelhuber/Roman 2013). Als andere Übergangsrituale (Neumann 2015, Kap. 12.3) können z. B. die Einschulungsfeier, Konfirmation oder Abiturfeier genannt werden. Der Übergang von der Promotions- in die Postdoc-Phase ist dahingehend interessant, da der Promotionsprozess mit einem Ritual abgeschlossen wird, welches nach den formalen Abläufen, wie dem Antrag auf Zulassung der Promotion, der Einreichung der Promotionsschrift und dem Verfassen der Gutachten, in einer letzten mündlichen Prüfung, dem Rigorosum oder der Disputation, meist mit einem mehr oder weniger großen festlichen Akt endet (die Urkunde erhält man jedoch erst nach Veröffentlichung der Dissertationsschrift). Die anschließenden Feierlichkeiten oder Rituale können sich je nach Person, Wissenschaftsorganisation und Fachbereich unterscheiden. Man wird z. B. auf einem Bollerwagen mit Talar und Doktorhut durch die Universität gezogen, es wird im kleinen Kreis mit Familie und KollegInnen angestoßen und/oder zu einer hochschulübergreifenden Promotionsfeier eingeladen.

Sowohl in der Familie als auch in der akademischen „Familie“ – der wissenschaftliche Nachwuchs und seine/ihre Doktoreltern – findet ein Anpassungs- und (Um-)Strukturierungsprozess statt, um in die nächste Phase übergehen zu können (Neumann 2015, S. 58). Mit dem Übergangsritual wird die eine Phase abgeschlossen und die nächste Phase eingeläutet, vorwiegend mit der Erwartung, dass sich nun etwas verändert.

Aber was ändert sich für die promovierte Person?

Rein formal ändert sich für die nun promovierten Personen, die im Wissenschaftssystem verbleiben „nur“ das Namensschild an der Tür. Man steigt nicht automatisch in eine höhere Besoldungsstufe auf, wechselt nicht die Stelle oder den Aufgabenbereich. Man kann sich nun auf sogenannte Postdoc- oder Habilitationsstellen bewerben. Im besten Fall hat man einen Mentor oder eine Mentorin, der/die einen weiter begleitet und berät. Im schlimmsten Fall fühlt sich keiner mehr für einen verantwortlich.

Eine vermeintlich sichere Phase endet, das Ziel, welches man Jahre verfolgt hat, ist erreicht und man geht über in eine Phase, auf die man nicht vorbereitet wurde. So kommt es zu Beginn der Postdoc-Phase vermehrt zu Irritationen, Unsicherheiten und Ängsten (ebd., S. 183), die nicht aufgefangen werden, und in der die Promovierten auf sich selbst zurückgeworfen werden.

Eine mögliche Unterstützung am Übergang von der Promotions- in die Postdoc-Phase bietet das Angebot einer Beratung. Mehr zu Beratung in der Promotions- und Postdoc-Phase folgt in meinem nächsten Blogbeitrag.


Quellen:

  • Driesen, C. & Ittel, A. (Hrsg.) (2019): Der Übergang in die Hochschule. Strategien, Organisationsstrukturen und Best Practice an deutschen Hochschulen. Waxmann: Münster, New York.
  • Korff, S. (2020): „Bin ich auf dem richtigen Weg?“ Der Ausstieg aus der Wissenschaft als permanente Option im ereignisgestützten Orientierungsprozess der Postdoc-Phase. Die Hochschule. Journal für Wissenschaft und Bildung 1, 54-65.
  • Korff, S. & Truschkat, I. (Hrsg.) (2022): Übergänge in Wissenschaftskarrieren. Ereignisse – Prozesse – Strategien. Wiesbaden: Springer VS.
  • Krawietz, J.; Raithelhuber, E. & Roman, N. (2013): Übergänge in der Hochschule. In Schröer, W. et al. (Hrsg.): Handbuch Übergänge (S. 651-687). Weinheim, Basel: Beltz Verlag.
  • Neumann, K. (2015): Systemische Interventionen in der Familientherapie. Berlin: Springer-Verlag.Welzer, H. (1993). Transitionen. Zur Sozialpsychologie biographischer Wandlungsprozesse. Tübingen: Ed. diskord.

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